Seit Oktober 2024 unterrichte ich einmal im Monat Yoga für inhaftierte Frauen in der Justizanstalt Innsbruck. Das Angebot ist freiwillig und schafft für die Teilnehmerinnen einen geschützten Raum, in dem sie sich selbst wieder wahrnehmen, regulieren und stärken können.
Dieses Projekt liegt mir besonders am Herzen und ist Teil meines Engagements für Frauengesundheit in der Region. Es verbindet meine Arbeit als Yogalehrerin mit einem sozialen Beitrag im Bereich Gesundheit im Strafvollzug.
Warum Yoga im Strafvollzug besonders wichtig ist

Viele Frauen im Gefängnis stehen unter hoher psychischer Belastung und haben schwierige Lebenserfahrungen gemacht.
Yoga kann hier einen wichtigen Beitrag leisten:
- Entwicklung neuer Bewegungs- und Handlungsspielräume
- Förderung der Körperwahrnehmung
- Unterstützung der Selbstregulation
- Stressreduktion und Stabilisierung
- Stärkung von Selbstvertrauen
Durch achtsame Bewegung und Atmung erleben viele Frauen ihren Körper wieder als sicheren Ort.
Tiefe Atemzüge, das Lösen von Verspannungen und neue Bewegungen können Momente von innerer Freiheit entstehen lassen.
Trauma-sensibles Yoga in der Frauenabteilung der Justizanstalt
Yoga für Frauen in Haft unterscheidet sich deutlich vom Unterricht in klassischen Kursräumen. Viele Teilnehmerinnen haben belastende oder traumatische Erfahrungen gemacht. Aus der Traumaforschung wissen wir heute, dass solche Erfahrungen im Körper gespeichert sein können. Dadurch fällt es manchen Frauen schwer, ihren Körper bewusst wahrzunehmen oder die Aufmerksamkeit nach innen zu richten.
Gerade im Setting Strafvollzug ist das Nervensystem oft dauerhaft in Alarmbereitschaft. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass:
- die Augen geschlossen zu halten schwerfällt
- die Körperhaltung angespannt bleibt
- Bewegungen ungewohnt oder schwer koordinierbar sind
In meiner Arbeit lege ich großen Wert auf einen achtsamen, trauma-sensiblen Zugang, der Selbstbestimmung und Sicherheit in den Mittelpunkt stellt. In meinem Unterricht entscheiden die Teilnehmerinnen selbst, was für sie stimmig ist:
Sie können Bewegungen mitmachen.
Sie können beobachten.
Sie können Positionen anpassen.
Sie können Pausen machen.
Trauma-sensibles Yoga bedeutet, das eigene Tempo zu respektieren und Selbstbestimmung im eigenen Körper wieder zu ermöglichen.
Frauengesundheit im Gefängnis

Viele der Frauen in der Justizanstalt befinden sich in Lebensphasen, die ich auch aus meiner langjährigen Arbeit mit Frauen außerhalb des Strafvollzugs gut kenne: Schwangerschaft, Mutterschaft, Rückbildung, Perimenopause oder Wechseljahre.
Gerade in hormonellen Umbruchzeiten kann Yoga besonders unterstützend wirken. Es hilft,
- den Körper neu kennenzulernen
- sich wohl und sicher im eigenen Körper zu fühlen
- Selbstwirksamkeit zu erleben
- Stabilität und innere Orientierung zu entwickeln
Unsere Bedürfnisse nach körperlichem Wohlbefinden und innerer Stabilität sind universell, unabhängig davon, wo wir leben.
Yoga für Frauen in Haft als Beitrag zur Resozialisierung
Im Unterricht entsteht ein Moment der Gleichwürdigkeit. Für die Dauer der Praxis begegnen wir einander als Menschen im Hier und Jetzt – unabhängig davon, was hinter uns liegt.
Ich erlebe immer wieder, wie bedeutsam diese Stunden für die Teilnehmerinnen sind. Sie lernen,
- ihren Körper neu wahrzunehmen
- Möglichkeiten zur Selbstregulation zu entdecken
- Vertrauen in sich selbst zurückzugewinnen
- einen Raum zu erleben, in dem sie einfach sein dürfen
Besonders berührend ist zu beobachten, wie sich dieser Prozess über die Zeit verändert. Während es zu Beginn oft schwerfällt, die Aufmerksamkeit nach innen zu richten oder die Augen zu schließen, gelingt dies vielen Frauen später deutlich leichter.
Der Yogaunterricht wird zu einem geschützten Raum, in dem sie ihren „Panzer“ ein Stück ablegen können und sich selbst wieder näherkommen.
Neue Bewegungen ermöglichen neue Erfahrungen und damit oft auch neue Perspektiven für den eigenen Lebensweg.
Yoga im Gefängnis ist deshalb nicht nur Gesundheitsarbeit im Strafvollzug, sondern auch ein Beitrag zu Resozialisierung.
Wir beenden jede Stunde gemeinsam mit den Worten:
Namasté – das Licht in mir sieht das Licht in dir.

Interesse an Austausch oder Zusammenarbeit?
Ich freue mich über Vernetzung mit Menschen, die sich mit Yoga im Gefängnis, Frauengesundheit oder trauma-sensiblem Yoga beschäftigen.
Wenn du in diesem Bereich tätig bist, ein Forschungsprojekt planst oder Interesse an Zusammenarbeit hast, melde dich gerne bei mir.
